Bali – die grüne Insel?!

Unser nächstes Ziel sollte mitten in Indonesien liegen, mit 17.508 Inseln der größte Inselstaat der Welt.

Air Asia brachte uns direkt vom Flughafen Singapur in knapp drei Stunden nach Bali, auf die Insel der Götter. Übrigens – der Flughafen in Singapur ist der Wahnsinn!

Erstmal ist der einfach riesig, sehr modern und sehr schnell.  Ein bisschen wie die Stadt selber eben auch. Wartezeiten beim Check In etc. werden sehr kurz gehalten. Das wissen wir mittlerweile zu schätzen. Und außerdem gibt’s noch ein großes Unterhaltungsprogramm für Reisende neben Duty Free Shopping. Wir haben uns die relativ kurze Wartezeit z. B. im Schmetterlingsgarten vertrieben. Wir hätten aber auch u. a. nochmal im Wellnessbereich entspannen können, im Pool baden, ins Kino gehen oder Playstation & Co zocken können 😀 .

Die erste Unterkunft hatten wir vorab in Kuta, im Süden Balis, gebucht. Einfach weil es ein bekannter Ort auf Bali ist und sehr einfach und schnell vom Flughafen zu erreichen ist.  Wir sind ja erst relativ spät abends gelandet, da war das ganz praktisch. Aber genauso schnell stellte sich heraus –  Bali, wie man sich das so vorstellt, ist das nicht. Gut, wir waren ja nicht ganz unvorbereitet und kannten auch den Ruf Kutas als den australischen Ballermann, aber eben auch als Surferparadies. Alles ist sehr zugebaut und dazu ein riesen Verkehrsaufkommen. Viele Bars, unzählige Souvenirshops und westliche Restaurants – ok, das haben wir dann auch ausgenutzt und so genossen! Nicht weit von unserer Unterkunft gibt es das „Mamas German Restaurant“, wo es Käsespätzle, Schweinebraten & Co auf der Speisekarte zu finden gibt. Deshalb gab es gleich nach der Landung für mich Rouladen, Rotkohl und Kartoffeln. Tobi hatte ein Kotelett, Bratkartoffeln und Kaisergemüse. Irgendwie ein komischer kulinarischer Start in Indonesien und das bei den Temperaturen. Aber trotzdem – was war das gut! Obwohl wir kurz vorher in Singapur auch mal wieder in den Genuss von richtigem Brot gekommen sind (im Summer Set gibt es einen Deutsch/ Schweizer Bäcker).

Der Strand in Kuta ist zum Baden nicht wirklich geeignet. Das Wasser fällt sehr flach ab und die Strömung und die Wellen sind recht groß. Dazu ist es auch nicht besonders schön. Und überhaupt ist Bali eigentlich keine typische Traumstrand/ Badeinsel. Klar gibt es auch schöne Strandabschnitte, aber wer feine Sandstrände und ruhiges Meer zum Baden sucht, ist hier falsch. Als Surfanfänger dafür goldrichtig. Aber das haben wir uns für später aufgehoben. Erstmal wollten wir was vom „richtigen“ Bali sehen und deshalb sind wir recht schnell ins Inselinnere nach Ubud, dem Herz von Bali, umgezogen.

Ubud ist ein kleines Künstlerstädtchen. Mittlerweile, spätestens aber seit Julia Roberts und Eat, Pray, Love, ist es auch sehr touristisch, aber definitiv mit viel Charme und dem speziellen „Bali-Flair“. Überall, aber wirklich überall, gibt es hinduistische Tempel zu sehen. Indonesien ist zwar eigentlich ein muslimisches Land, Bali ist da aber die große Ausnahme. Der Großteil der Balinesen ist hinduistisch. Selbst die Häuser der Balinesen sehen aus wie Tempelanlagen und sind es zum Teil auch. Dazu gibt es in Ubud jede Menge an balinesischem Kunsthandwerk. Viele kleine nette Läden, die nicht nur den üblichen Ramsch verkaufen und zum Bummeln einladen. Chillige Kaffees mit Blick auf Reisfelder. In sogenannten „Warungs“ gibt es exotisches, leckeres balinesisches Essen. Yogastudios. Wellnessangebote. Klangspiele und Räucherstäbchen. Und rund um die Stadt ist alles so unfassbar grün! Hier kann man die Seele baumeln lassen und, wer mag, auch die eine oder andere spirituelle Erfahrung machen.

Wir haben uns hier für ein paar Tage einen Roller geliehen und sind damit durch die Gegend gedüst. Alleine das Fahren an sich, macht hier unglaublich viel Spaß. Innerhalb Ubuds muss man sich noch ein bisschen durch den Verkehr kämpfen. Danach aber entlohnen der warme Fahrtwind und die tollen Aussichten auf die grünen Reisfelder, Kaffeeplantagen und Vulkane. So haben wir z. B. im Norden der Insel dem zwar nicht größten, dafür aber aktivsten Vulkan der Insel, dem Mount Batur, einen Besuch abgestattet und sind waghalsig durch den Krater gecruist. Wir haben uns verschiedene Tempel angesehen, die sogar für uns wirklich sehenswert waren. Die Tempel sind hier oft ein bisschen mystisch, total schön in die Natur eingebettet und wirken, als gehörten sie einfach dahin. Und alles ist so grün!

Halt haben wir auch an einer kleinen Kaffeeplantage gemacht und u. a.  mal „Kopi Luwak“, den wohl teuersten Kaffee der Welt, probiert. Besonders an dem Kaffee ist vor allem  die Herstellung. Die „Fleckenmusangs“, eine Art Katze, fressen mit Vorliebe die speziellen „Kirschfrüchte“ von Kaffeepflanzen, die hier in Indonesien wachsen. Verdauen können sie aber nur das Fruchtfleisch, weshalb sie die Bohnen der Früchte einfach unverdaut wieder auskacken.  Und die werden dann eben weiter zu Kaffee verarbeitet. Bestimmte Enzyme im Magen-Darm-Trakt der Katzen sorgen für das einzigartige Aroma der Kaffeebohnen. Praktisch ist dabei außerdem, dass die kleinen Viecher immer brav an den gleichen Stellen ihr „Katzenklo“ aufsuchen, sodass es den ortskundigen Einheimischen dann leicht fällt, die Bohnen wieder zu finden. Gourmets beschreiben das Aroma dann als „erdig, moderig, sirupartig, mild und reich an Dschungel- und Schokoladeuntertönen“ und zahlen dafür in Europa auch mal bis zu 1000 € für das Kilo. Uns hat eine kleine Tasse hier etwa 4 € gekostet und hat halt geschmeckt wie Kaffee 😉 . Nein, war schon lecker und milder als der Kaffee in Europa. Aber das ist der balinesische Kaffee sowieso, genauso wie z. B.  der in Laos. Eine kleine Führung durch den Garten, andere Kaffee-, Kakao- und Teesorten zum Probieren inkl.  schöner Aussicht gab es gratis dazu.

Ein anderes Highlight in Ubud war der „Monkey Forest“. Am Waldrand gibt es ein kleines Gebiet, mit Tempel natürlich, in dem mehrere Horden Affen leben. Ob jetzt die Affen die Touristen oder andersrum die Touristen die Affen anlocken, ist mir nicht ganz klar. Jedenfalls ist es ein riesen Spektakel. Die „niedlichen“ Affen sind zum Teil nämlich ganz schön dreist und klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Später am Uluwatu Tempel haben wir dann noch hautnah miterlebt, wie die Gangsteraffen hier mit den Einheimischen Geschäfte machen. Ein Affe hat Tobi kackendreist die Brille stibitzt. Unter den Baum saß dann eine alte Frau, die die Brille gegen was Essbares zurück getauscht hat und danach natürlich eine „Spende“ verlangt hat. Den Wald mit etwas Essbarem zu betreten ist deshalb nicht unbedingt ratsam und man sollte gut auf seine Sachen achten, wenn Affen in der Nähe sind.

Was aber unbedingt empfehlenswert ist wenn ihr mal zufällig nach Ubud kommt, ist einmal im „Fair Warung Bale“ essen zu gehen. Neben unfassbar gutem Essen, werden durch jede Mahlzeit zwei medizinische Untersuchungen von Einheimischen durch die Fair Future Foundation, einer Schweizer Hilfsorganisation,  finanziert. Die medizinische Versorgung ist in Indonesien teilweise echt ein Problem und so wird vielen, vielen Menschen kostenlos Unterstützung ermöglicht, die sie sich sonst nie leisten könnten.

Insgesamt gibt es neben den vielen Sachen, die hier so begeistern, auch immer wieder Themen die einen nachdenklich bzw. traurig und auch wütend stimmen. Armut ist ein großes Thema. Und wie gerade hier in Indonesien mit der Umwelt umgegangen wird, ist teilweise nur furchtbar und schwer mit anzusehen. So viele kaputtgesprengte Korallenriffe durch die Fischereimethoden, ganz zu schweigen von dem Müll überall, der einfach verbrannt oder noch schlimmer in die Flüsse geschmissen wird und letztendlich im Meer landet. Auch im Jahr 2016 mangelt es hier noch an Wissen, Einsicht und  alternativen Recyclingmethoden. Jede Minute landet etwa eine LKW Ladung Plastik im Meer. Wir versuchen mittlerweile zumindest Abstand von diesem Plastik-Wahn zu nehmen. Man bekommt hier in Südostasien einfach alles doppelt und dreifach in Plastiktüten verpackt. Kauft man sich ein Wasser, natürlich in einer Plastikflasche, gibt’s die nochmal in einer Plastiktüte zum Tragen und einem Strohhalm – klar, auch aus Plastik. Noch schlimmer, die einzeln abgepackten Bananen in Plastikfolie eingeschweißt und dann nochmal in einer Tüte verpackt. Nur mal so zum Beispiel.

Was dafür nur halb so schlimm wie befürchtet war, war der Regen. Momentan ist in Indonesien Regenzeit. Der Januar ist der niederschlagreichste Monat im Jahr. Die Temperaturen auf Bali liegen aber immer noch im Durchschnitt bei 33 °C. Schwitzen bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist also vorprogrammiert gewesen. Während unserer Tage auf Bali, hat es auch immer mal wieder geregnet.  Meistens aber nur für zwei, drei Stunden, dafür dann aber oft auch richtig heftig. Dafür ist es aber auch viel leerer überall, günstiger und darum ist hier auch alles so unglaublich schön grün 😉

Zurück in Kuta haben wir uns dort nochmal im Surfen geübt und von dort eine Tour in den Süden der Insel gestartet. Das Surfen war mal wieder eine witzige Aktion. Für 200.000 indonesische Rupiah (etwa 13 €) haben wir beide jeweils eine Einzelstunde von einem Local bekommen und durften danach den ganzen Nachmittag mit den Boards weiterüben. Nach einer kleinen Einführung am Strand gings direkt in die Wellen. Bei mir lief das dann meist so ab: Welle kommt, Daniel (mein Surflehrer) zählt „1,2,3 – Stand up!“, ich schieße einige Meter nach vorne bis ich irgendwie unkontrolliert im Wasser lande und Daniel mir schon kopfschüttelnd entgegen kommt und sagt „Sandra, you have to do so und so“. Naja, ein zwei mal konnte ich mich schon auf der Welle halten. Tobi zeigte sich da  etwas talentierter und ausdauernder. Aber es bedarf bei uns beiden dann doch noch einiges an Übung, um sich so cool auf dem Wasser zu halten wie die Einheimischen. Ist auch gar nicht so einfach wie es aussieht.

Wie ihr seht, gibt es hier echt viel zu sehen und zu erleben. Bali ist unglaublich vielseitig und schon eine besondere Insel. Obwohl es bei weitem nicht so naturbelassen ist, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Man muss schon aus den echt großen Städten ein gutes Stück rausfahren, um die schöneren, grünen Ecken zu finden. Wir haben uns hier trotzdem sehr wohl gefühlt und das Inselfeeling genossen. Die Balinesen machen es einem aber auch wirklich einfach. Wobei sich mir auch hier immer wieder die Frage gestellt hat, ob alle nur so herzlich und gastfreundlich zu uns sind, weil wir als „bule“ (Weiße) Geld ins Land bringen oder die Leute tatsächlich einfach so freundlich und gut gelaunt sind. Aber spätestens wenn alte Leute einem mit breitem Grinsen entgegen kommen, Kinder einem im Vorbeifahren zuwinken und einem immer wieder selbstlos aus der Patsche geholfen wird, überwiegt doch der Glaube an das Gute und die Lebensfreude der Menschen. Und immer häufiger kommen dann Gedanken daran auf, wie man sich wohl in Deutschland als Ausländer fühlen muss, gerade wenn man hilfebedürftig ist.

3 Replies to “Bali – die grüne Insel?!”

  1. Ihr Lieben,

    irgendwie habe ich den Eindruck, dass Ihr sehr viel reflektierter unterwegs seid, als zu Beginn Eurer Reise – das freut mich sehr! Ich wünsche Euch weiterhin vieles, was Ihr genießen könnt und weitere tolle Entdeckungen. Das Thema „Ausländer in Deutschland“ ist ganz arg im Moment und manchmal verschlägt es mir dabei wirklich die Sprache und ich schäme mich zutiefst!

    Liebe Grüße

    Petra

  2. Toller bericht!
    Mein Freund und ich fliegen nächste woche auch nach bali!
    Habt ihr vielleicht irgendwelche kontaktdaten von dem local, bei dem ihr die Surfstunden genommen habt?
    Vielen Dank und Liebe Grüße ?

    1. Leider nicht. Aber wenn ihr in kuta an den Strand geht, werdet ihr eigentlich schon direkt von denen angesprochen. Da hocken jede Menge Leute rum, die Sonnenschirme, surfboards etc verleihen und auch unterrichten. Und die nehmen eigentlich alle ’nur für euch‘ den special Preis von 200000 IDR. Wird kein Problem sein jemanden nettes zu finden. Viel Spaß 🙂 ach und aufjedenfall von denen essen empfehlen lassen! Da gibt’s richtig geile ‚essensstände‘ am Strand. War super lecker!

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